DT History

1983 gegründet, gehören die DownTown Studios zum Beständigsten, was die Münchner Szene an Profi-Studios zu bieten hat und, nach wie vor, zu den besten Produktions-Adressen in der bayerischen Landeshauptstadt. Die Liste der nationalen und internationalen Künstler und Firmen, die das Knowhow im DownTown zu schätzen wissen, ist lang. Hunderte von Musik- und Sprachproduktionen sprechen für sich selbst. Modernste Digitaltechnik (inkl. 5.1 Surround) ist selbstverständlich. Zu den Studios gehören auch zwei Labels, ein Musikverlag und die hauseigene PR-Agentur. Das Motto: "Bei uns werden Sie gut aufgenommen"...

Wie es dazu kam:

Als sich die beiden Studiobetreiber Artur Silber und Jochen Scheffter 1974 kennen lernten, ging es natürlich um Musik: Artur suchte einen passenden Keyboard-Spieler für seine damalige Rockband und Jochen war der Einzige, der die Erwartungen der Band erfüllen konnte. Gemeinsam mit der Musik Spaß haben war das Ziel, niemand dachte im Traum daran, jemals ein eigenes Studio zu betreiben. Allerdings war diese kreative Zeit nicht von langer Dauer: Jochen bewarb sich um einen Studienplatz an der Fachhochschule für Ton- und Bildingenieur in Düsseldorf, bekam die Zusage und studierte 10 Semester, bis er den Titel “Diplom Ingenieur” sein eigen nennen durfte. Artur erprobte sich in der Zwischenzeit am Studium der Betriebswirtschaft (LMU), am Studium “Schlagwerk” (Konservatorium) und erneut an der Münchner Universität am Studium der “Musikwissenschaft”. Abschluss machte er keinen, dafür war das Jobben neben dem Studium viel zu zeitintensiv. Unter anderem in der Tonabteilung der Münchner Kammerspiele und als Ton-Assistent in den international renommierten Union Studios. Exakt hier hatte Jochen nach seinem Studium die erste Stelle als “Soundie” bekommen und das Hallo war riesengroß, als sich beide nach vielen Jahren wieder sahen. Aber auch diese gemeinsame Zeit dauerte nicht allzu lange, da Artur, bekannt für seine Späße, irgendwie im Studio aneckte und rausflog…

Kurz darauf bekam er das Angebot, als Tour-Manager für eine amerikanische Major-Company mit Sitz in Hamburg tätig zu werden. Jochen fand das gar nicht lustig, sagte “nix da, du bleibst hier und wir ziehen ein eigenes Studio hoch, damit wir weiterhin zusammen arbeiten können." Artur fand die Idee prima, kurz darauf die geeigneten Räume und nun hieß es Arbeiten bis zum Umfallen. Ein Studio kostet ja schließlich ein paar Mark. Jochen drehte sich also die Finger an den Pult-Knöpfen wund und Artur schleppte sich als Spediteur den Buckel krumm. Am 23. Oktober 1983 war es dann soweit: Beide luden zur Eröffnungsparty. Der Konkurrenzdruck in München war enorm, gab es zu dieser Zeit etwa 100 ernst zu nehmende Studios in der Stadt. Einige meinten: “Das haltet ihr vielleicht 1 Jahr durch” – mittlerweile sind es 30… Alles richtig gemacht!

Vom Start weg gab es eine Maxime: Der Kunde ist König und mag die Studio-Szene beim HighTech-Wettrüsten noch so klotzen: Im Downtown wird die Künstlerseele mindestens so gepflegt wie das Equipment. Die Beiden wussten von Anfang an, was sich der Künstler wünscht: Eine angenehme Betriebsgröße bei hoher technischer Ausstattung, professionelles Knowhow der Soundingenieure und deren Philosophie, dass sich die Technik ganz nach der Musik, den ästhetischen Vorstellungen der Musiker und der Produzenten zu richten habe. Und da auch das Preis/Leistungsverhältnis immer stimmte, fühlten sich fortan alle in dieser lauschigen Nische zwischen den kleinen und großen Studios in München pudelwohl.

Silber und Scheffter gehören also zum Urgestein des Münchner Musiklebens, wobei das Studio nach wie vor nicht das einzige Parkett ist, auf dem man tanzt: Artur Silber ist nicht nur ein erfolgreicher PR-Manager, er kümmert sich auch um die beiden hauseigenen Labels, um das Verlagswesen und wurde “so nebenbei” als Festivalleiter des "längsten Musik Open Air Festivals der Welt" ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Und Jochen Scheffter genießt nicht nur den Ruf eines erstklassigen Toningenieurs, immer noch fliegen seine langgliedrigen Finger über die Tasten des hauseigenen Bösendorfer Flügels und diverser anderer Keyboards. Auch schätzen Regisseure zahlreicher Hörspiele sein Einfühlungsvermögen beim Komponieren dramaturgischer Musiken (zB Momo), wofür es schon mal den einen oder anderen Preis verliehen gibt. Apropos Auszeichnung: Scheffters Live-Mitschnitt eines Konzertes der “Bulgarischen Stimmen” in Norwegen gilt immer noch als tontechnischer Meilenstein und wurde für das Klangdesign für einen Grammy nominiert. Highlights gab es also viele: Von Claudia Koreck über Hildegard Knef bis Ofra Haza. Von Udo Lindenberg über Haddaway bis zu den Bananafishbones. Zu viele in 25 Jahren um alle zu nennen... Alle konnten sich vom hohen produktionstechnischen Level des Studios und dessen Vielseitigkeit überzeugen.

Sogar zu den Rolling Stones drang der besondere Ruf des Studios schon vor: Ihr Stamm-Saxophonist Bobby Keys guckte nach einem Stones-Konzert im Olympiastadion noch um drei Uhr nachts für einige Overdubs und reichlich Münchner Bier vorbei. Und genoss es, sich mit ein paar Witzen des notorisch gut gelaunten Artur Silber die Müdigkeit aus den Knochen zu lachen. Apropos: Wenn Fußballstars des F.C. Bayern München ihrem Ex-Kollegen Christian Ziege den Titel "Ich find Dich Scheiße" in einer umgedichteten Version zum Geburtstag schenken, gibt es sowieso keinen besseren Produzenten als Silber. "Wir hatten die richtige Taktik", beschreibt der gelernte Drummer die legendäre Session. Über den genauen Text des Fußball-Songs hüllt er sich aber - ganz Gentleman - bis heute in Schweigen.

Etwas gemäßigter geht es natürlich zu, wenn die großen Sendeanstalten (WDR, NDR, BR) und Hörbuchverlage (zB der Hörverlag) im DownTown ihre aufwendigen Sprach- und Hörspielproduktionen fahren.

Artur & Jochen
Foto: Sara Soffner

"Mittlerweile sind wir wohl so etwas wie eine Münchner Institution", können Silber und Scheffter nicht ohne Stolz behaupten. „Der Markt verändert sich zwar ständig aber wir sind darauf vorbereitet“. Und um den großen Erfahrungsschatz nicht verloren gehen zu lassen, wurde mittlerweile ein junger und innovativer Produzenten-Pool im DownTown integriert. “Wir wollten junge Künstler und Produzenten in unser Unternehmen einbinden, die unseren Qualitätsanspruch fortsetzen und die Struktur verjüngen“, sagt  Silber. Ein sehr gutes Beispiel ist die Produktionsfirma "Young and Loud" von Gunnar Graewert , der mit Künstlern wie Claudia Koreck, Ania Jools, den Bananafishbones, Mario Adorf und vielen anderen mehr dafür sorgt, dass das Studio attraktiv bleibt und durch die Erfolge seiner Künstler und Produktionen das Interesse am Downtown hoch hält. Auf diese Weise entwickelte sich in der Augustenstraße eine Art Dachverband, unter dem neben "Young and Loud" auch noch andere Produktionsteams arbeiten.

Heute fungiert das Downtown Studio als eine Art Dachverband, unter dem andere Produktionsteams arbeiten. Durch diese Synergie kamen junge Tonmeister hinzu, die inzwischen zur absoluten Top-Liga zählen und durch ihre Kontakte zur jungen Szene für frischen Wind sorgten. Ständig bemüht, den krativen und technischen Prozess voranzutreiben, bleibt aber immer noch genug Zeit, um an den Roots festzuhalten und aktiv Musik zu machen: 1983 war nicht nur das Gründungsjahr des Studios sondern auch der Start der gemeinsamen Band “Central Park”. Die gibt es auch noch und manchmal heißt es “raus auf die großen Festivalbühnen”. Spaß muss sein…